top of page

Was macht eine gute Sicherheitsunterweisung wirklich aus?

Autorenbild: Ing. Harald Leimer
Ing. Harald Leimer
15. Sept.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Was macht eine gute Sicherheitsunterweisung wirklich aus – Experten-Kolumne von Ing. Harald Leimer, TS-Learning

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Arbeitssicherheit und führe selbst Unterweisungen in unterschiedlichsten Betrieben durch. Dabei zeigt sich immer wieder: Eine Unterweisung kann auf dem Papier perfekt dokumentiert sein und trotzdem ihren eigentlichen Zweck verfehlen.


Am Ende geht es nämlich nicht darum, möglichst viele Folien zu zeigen oder eine weitere Unterschrift im Ordner zu haben. Der Mitarbeiter soll wissen, welche Gefahren bei seiner Arbeit bestehen und wie er sich richtig verhalten muss.


Für mich sind dabei vier Punkte besonders entscheidend: Die Inhalte müssen zur Tätigkeit passen, der Mitarbeiter muss sie verstehen, das Wissen sollte überprüft werden und wichtige Inhalte müssen regelmäßig wiederholt werden.



Allgemeine Arbeitssicherheit reicht nicht


Natürlich gibt es Sicherheitsregeln, die praktisch jeden Mitarbeiter betreffen. Ordnung und Sauberkeit, das Melden von Mängeln oder das richtige Verhalten bei einem Unfall gehören beispielsweise in viele Unterweisungen.


Trotzdem halte ich wenig davon, einem Mitarbeiter eine Stunde lang allgemeine Arbeitsschutzthemen zu präsentieren und damit beispielsweise die Unterweisung eines Fliesenlegers, Kfz-Technikers oder Staplerfahrers als erledigt zu betrachten.


Die tatsächlichen Gefährdungen unterscheiden sich dafür viel zu stark.


Ein Fliesenleger arbeitet unter anderem mit Winkelschleifern, Steintrennmaschinen, elektrischen Handwerkzeugen und zementhaltigen Produkten. Quarzstaub ist ein Thema, ebenso das Arbeiten auf den Knien oder der Transport großer und schwerer Fliesen.


In einer Kfz-Werkstätte sieht die Situation schon wieder völlig anders aus. Dort sprechen wir beispielsweise über Hebebühnen, Arbeiten unter angehobenen Fahrzeugen, Batterien, Gefahrstoffe, Abgase oder Schweiß- und Schleifarbeiten.


Das sind die Situationen, in denen tatsächlich etwas passieren kann. Und genau dort muss eine gute Unterweisung ansetzen.


Allgemeine Sicherheitsthemen gehören für mich deshalb weiterhin dazu. Sie müssen aber mit fach- und tätigkeitsspezifischen Inhalten kombiniert werden.


Bei den Schulungsinhalten in TS-Learn verfolgen wir genau diesen Ansatz. Ein Fliesenleger soll beispielsweise nicht zuerst eine allgemeine Baustellenschulung und danach noch mehrere zusätzliche Schulungen absolvieren müssen. Sinnvoller ist aus meiner Sicht eine Unterweisung, die die notwendigen allgemeinen Baustellenthemen enthält und gleichzeitig auf die tatsächlichen Tätigkeiten eines Fliesenlegers eingeht.



Hat der Mitarbeiter die Unterweisung wirklich verstanden?


Das Thema Sprache wird meiner Erfahrung nach noch immer unterschätzt.

Gerade auf Baustellen, in Produktionsbetrieben, Werkstätten oder in der Logistik ist es vollkommen normal, dass Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen zusammenarbeiten.


In der Praxis kann dann beispielsweise ein deutschsprachiger Vorgesetzter einem Mitarbeiter eine Sicherheitsregel erklären, obwohl dieser Deutsch nur teilweise versteht.


Man kann anschließend natürlich eine Unterschrift einholen.


Die entscheidende Frage bleibt aber: Hat der Mitarbeiter tatsächlich verstanden, was von ihm erwartet wird?


Bei einer Sicherheitsunterweisung kann ein kleines sprachliches Missverständnis einen großen Unterschied machen. Deshalb halte ich es für wesentlich sinnvoller, sicherheitsrelevante Inhalte in einer Sprache zur Verfügung zu stellen, die der jeweilige Mitarbeiter möglichst gut versteht.


Genau hier bietet die Digitalisierung einen großen Vorteil. In TS-Learn können Mitarbeiter dieselbe Unterweisung in unterschiedlichen Sprachen absolvieren. Der Inhalt bleibt grundsätzlich derselbe, aber der Mitarbeiter kann ihn in einer für ihn verständlichen Sprache bearbeiten.


Das halte ich für wesentlich sinnvoller, als darauf zu vertrauen, dass eine Person einer deutschsprachigen Unterweisung irgendwie folgen konnte.


Auch Bilder spielen dabei eine große Rolle. Gerade im Arbeitsschutz lassen sich viele Situationen mit einer guten Darstellung wesentlich einfacher erklären als mit einem langen Text.


Wenn ich auf einem Bild sofort erkenne, wo sich die Quetschstelle befindet oder warum eine bestimmte Arbeitsweise mit einer Maschine gefährlich ist, brauche ich dazu keinen halben Absatz Erklärung.


Wichtig ist allerdings, dass solche Bilder fachlich stimmen. Einfach jedem dargestellten Mitarbeiter Helm, Schutzbrille, Handschuhe und Gehörschutz anzuziehen, macht eine Sicherheitsillustration nicht automatisch besser. Die dargestellte PSA muss zur tatsächlichen Tätigkeit und Gefährdung passen.



Eine Wissenskontrolle sollte keine Führerscheinprüfung sein


Nach einer Unterweisung kommt für mich die nächste logische Frage:

Woher weiß ich, ob die wesentlichen Punkte angekommen sind?


Nur weil jemand eine Schulung bis zur letzten Folie angesehen hat, wissen wir noch nicht, was davon tatsächlich verstanden wurde.


Deshalb gehört eine Wissenskontrolle für mich zu einer guten digitalen Unterweisung dazu.


Dabei bin ich kein Freund davon, Mitarbeiter mit irgendwelchen Detailfragen zu beschäftigen, die mit sicherem Arbeiten wenig zu tun haben.


Die Fragen sollten sich auf die Dinge konzentrieren, die der Mitarbeiter später in der Praxis richtig machen muss.


Ein Beispiel aus der Kfz-Werkstätte:

Darf ich unter einem Fahrzeug arbeiten, das ausschließlich mit einem Wagenheber angehoben wurde?

Oder beim Winkelschleifer:

Darf die Schutzhaube entfernt werden, wenn sie bei der Arbeit stört?

Das sind keine schwierigen Fragen. Sie überprüfen aber genau jene Entscheidungen, die später bei der Arbeit relevant sein können.


Wird eine Frage falsch beantwortet, ist das für mich auch nicht einfach nur ein „Fehler“. Eigentlich ist es eine wertvolle Information. Offensichtlich wurde ein wichtiger Inhalt noch nicht richtig verstanden. Dann sollte genau dieser Punkt nochmals vermittelt werden.


Eine Wissenskontrolle ist deshalb aus meiner Sicht weniger eine Prüfung als vielmehr der letzte Teil der Wissensvermittlung.


In TS-Learn verbinden wir die Schulungsinhalte genau aus diesem Grund mit entsprechenden Verständnisfragen. Gleichzeitig entsteht dadurch eine wesentlich bessere Dokumentation als bei einer reinen Bestätigung, dass jemand an einer Unterweisung teilgenommen hat.



Nach einem Jahr ist vieles nicht mehr so präsent wie am ersten Tag


Wer schon länger im Arbeitsschutz tätig ist, kennt das wahrscheinlich.


Man spricht mit einem Mitarbeiter über eine Sicherheitsregel und bekommt als Antwort: „Ja, weiß ich eh.“


Und meistens stimmt das sogar.


Das Problem ist nur, dass sich mit der Zeit Routine einschleicht. Dinge, die unmittelbar nach einer Unterweisung noch sehr präsent waren, geraten langsam in den Hintergrund. Abkürzungen werden genommen, bestimmte Handgriffe macht man irgendwann automatisch.


Genau deshalb sind regelmäßige Wiederholungen wichtig.


Dabei geht es aus meiner Sicht nicht darum, Mitarbeitern jedes Jahr stur dieselben Folien vorzusetzen. Eine Wiederholung sollte die wirklich wichtigen Regeln wieder ins Bewusstsein holen.


Und natürlich muss eine Unterweisung auch dann angepasst werden, wenn sich etwas verändert. Eine neue Maschine, ein anderer Arbeitsstoff, ein geändertes Arbeitsverfahren oder auch ein Unfall bzw. Beinaheunfall können Gründe sein, Inhalte neuerlich aufzugreifen.


Bei vielen Mitarbeitern wird genau diese Organisation irgendwann mühsam.


Wer muss wann welche Unterweisung wiederholen? Wer hat sie bereits gemacht? Bei wem läuft eine Frist ab?


Solange es um zehn Mitarbeiter geht, kann man das vielleicht noch mit einer Liste verwalten. Bei 100, 500 oder 1.000 Mitarbeitern sieht die Sache anders aus.


Hier sehe ich einen weiteren wesentlichen Vorteil digitaler Systeme. In TS-Learn können Unterweisungen zugewiesen, Wiederholungen organisiert und der jeweilige Schulungsstand nachvollzogen werden. Der Verantwortliche muss nicht jedes Zertifikat einzeln kontrollieren, um herauszufinden, bei wem wieder Handlungsbedarf besteht.



Was bleibt am Ende?


Ich glaube, man kann sehr viel über die perfekte Sicherheitsunterweisung diskutieren. In der Praxis würde ich es aber auf vier relativ einfache Fragen reduzieren:


  • Passt die Unterweisung tatsächlich zu der Arbeit, die der Mitarbeiter macht?


  • Hat er die Inhalte sprachlich und fachlich verstanden?


  • Haben wir überprüft, ob die wichtigsten Sicherheitsregeln angekommen sind?


  • Und sorgen wir dafür, dass dieses Wissen nicht nach Jahren langsam verloren geht?


Wenn diese vier Punkte vernünftig gelöst sind, hat man aus meiner Sicht schon einen sehr großen Schritt gemacht.


Genau darin sehe ich auch die Aufgabe eines Systems wie TS-Learn. Nicht darin, eine möglichst große Anzahl an Schulungsfolien digital abzuspielen, sondern den gesamten Prozess sinnvoll zu unterstützen: mit fachspezifischen Inhalten, mehrsprachiger Vermittlung, Wissenskontrollen und wiederkehrenden Unterweisungen.


Denn eine gute Unterweisung sollte nicht daran gemessen werden, wie schnell jemand am Ende ein Zertifikat erhält.


Entscheidend ist, ob der Mitarbeiter bei seiner tatsächlichen Arbeit weiß, was gefährlich werden kann und wie er sich in dieser Situation richtig verhält.




Von der Theorie in die Praxis

Passende Schulungen aus dem TSLearning Shop – sofort startklar.


Elektriker auf der Baustelle bei Elektroinstallationsarbeiten mit Schutzausrüstung

Baustellensicherheit für Elektriker

Allgemeine Baustellenthemen kombiniert mit elektrotechnischer Fachsicherheit.


Firmenfahrzeuge auf einem Betriebsparkplatz für die KFZ-Sicherheitsschulung

Sicherheit im Fahrbetrieb

Sicherer Umgang mit Firmenfahrzeugen – von der Fahrweise bis zur Ladungssicherung.


Fahrersitzgesteuerter Gabelstapler beim Warentransport im Lager

Sicher mit dem Stapler unterwegs

Die wichtigsten Regeln für fahrersitzgesteuerte Stapler im Arbeitsalltag.



 
 
bottom of page